IS(IS) als ein PR-Erfolg

27.11.2014 Habertürk
Übersetzt von: Gülçin Wilhelm /
Orjinal Metin (tr-24.11.2014)

Al-Qaida weist in ihrer Geschichte große Aktionen vor, wie die Attentate von 11. September, die zeitgleiche Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania bzw. auf USS Cole, einen US-Zerstörer in Jemen. Zudem vermutet man Al-Qaida hinter den Sprengstoffanschlägen in London, Madrid sowie Bali. Demgegenüber vollbrachte IS(IS) keine solche Aktionen, die weltweit Widerhall fänden, ganz zu schweigen von Attentaten auf gut geschützte  - oder gut geschützt geglaubte - Objekte im Westen. Dennoch ist der IS(IS) bekannter als Al-Qaida und wird mehr gefürchtet als diese. Wie kommt das? Hier stoßen wir auf den Begriff PR, die Abkürzung des englischen Terminus Public Relations. Daran, dass der IS(IS), der aus Al-Qaida entstanden ist, diese rasant überholt hat, spielt seine PR-Geschicklichkeit eine erhebliche Rolle. Denn Al-Qaida hat auf die Wucht einzelner Aktionen gesetzt und deshalb zusätzliche Marketingmaßnahmen durch die Medien für nicht nötig gehalten. Daher benutzte sie die Medien, insbesondere das Internet, hauptsächlich als interne Kommunikationsmittel, als für Propaganda und PR-Arbeit.

Wie die Mongolen
Ganz anders bei IS(IS). Die Organisation stellt zwecks medialer Werbung sogar Sonderaktionen auf die Beine oder prüft die bereits geplanten Aktionen auf ihre Medientauglichkeit hin. Vor diesem Hintergrund sind die Exekutionen von Geiseln zu interpretieren – hollywoodmäßige Inszenierungen, speziell ausgearbeitete Kostüme für Täter wie auch Opfer bzw. äußerst professionelle Aufnahmen. Die Bilder von der Enthauptung eines amerikanischen Journalisten reichen vom Effekt her fast an die Verwüstung der Twin Towers heran.
Dass die Medien in Händen von IS(IS) zu „Massenvernichtungswaffen“ gewandelt sind, konnte ich im August im irakischen Kurdistan beobachten. Da der Ruf des IS(IS) stets vorauseilte und schon vorher Furcht einflösste, fanden viele Gemeinsamkeiten zwischen dem IS(IS) und den Mongolen. Der Angst lag die Tatsache zugrunde, dass die Bilder von IS(IS) sehr geschickt durchgeführten Massenhinrichtungen und Enthauptungen „zum Zwecke der Demaskierung des IS(IS)“ weltweit durch naive Menschen verbreitet wurden.

Verheißung des Todes wie auch des Lebens
Al-Qaida verspricht eigenen Mitgliedern in erster Linie den Tod, also das „Märyrertum“. Der IS(IS) hingegen stellt seinen Anhängern neben dem „Heldentod“ auch „ein alternatives Leben“ in Aussicht. Genauso wie Al-Qaida verbreitet auch IS(IS)  die Aufnahmen der Selbstmordattentate oder Bilder der Kämpfer, die auf die eine oder andere Weise und an unterschiedlichen Orten umgekommen sind. In einem Punkt jedoch unterscheidet sich IS(IS) von Al-Qaida: Um zu beweisen, dass der „islamische Staat“ tatsächlich steht, bringt IS(IS) Bilder aus dem Alltag in der irakischen Provinz Mossul sowie in der syrischen Ortschaft Rakka unters Volk. Dass diese PR-Arbeit, die die islamistische Basis ansprechen soll, recht erfolgreich ist, können wir nicht zuletzt daraus schließen, dass aus der ganzen Welt gleich ganze Sippschaften in die Region reisen, um für IS(IS) zu kämpfen.
Ebenso geschickt setzt IS(IS) die Medien ein, um die Öffentlichkeit zu desinformieren. Wie IS(IS) den Geisel John Cantlie, einen englischen Journalisten, über Kobane Bericht erstatten liess, ist möglicherweise das beste Beispiel dafür. In diesem sehr professionell gebauten Beitrag sagte der englische Journalist – höchstwahrscheinlich aus Angst um sein Leben und sehr überzeugend – dass der Großteil von Kobane bereits unter Kontrolle von IS(IS) sei und die Provinz in ein paar Tagen definitiv fallen werde.
Kobane fiel nicht. Und es sieht überhaupt nicht danach aus.
Kurzum: PR ist gut, aber nicht alles.




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