Eine Einführung in die Diskussion über „Biji* Obama“

18.11.2014 rusencakir.com
Übersetzt von: Gülçin Wilhelm /
Orjinal Metin (tr-17.11.2014)

Es war das Jahr 2006, glaube ich. Bei einem Washingtoner Thinktank hielt Saadeddin Ibrahim, einer der bedeutendsten Liberalen in Ägypten, eine Rede. Wegen der Aktivitäten des Ibni-Haldun-Zentrums in Kairo, dessen Gründer er war, hatte er sich den Zorn des Mubarak-Regimes zugezogen und war mehrfach angeklagt und zu Haftstrafen verurteilt worden. In einem Anklagepunkt hieß es, er habe vom Westen, und insbesondere aus den USA, für sein Zentrum finanzielle Hilfe bekommen. 
Als sich ein Mubarak-Anhänger auf der besagten Konferenz zu Wort meldete und den Geldtransfer aus den USA scharf kritisierte, entgegnete Ibrahim: „Ägypten ist heute einer der Staaten, dem von den USA finanziell am meisten unter die Arme gegriffen wird. „Sind die USA für Sie in Ordnung, wenn Mubarak von ihnen Geld annimmt, aber böse, wenn ich es tue?“

Feinde kamen zusammen
Dass ich diese Anekdote in Erinnerung rufe, hat zweifellos mit Kobane zu tun. Es ist weithin bekannt, dass hinter der wirksamen Bombardierung der IS(IS)-Stellungen in Kobane von Seiten der internationalen Koalition, der militärischen Hilfe aus der Luft für jene, die die Provinz verteidigen, wie auch der Entsendung der Peschmerga aus dem Irak als Verstärkung, mehr oder minder Washington steht. Der Co-Vorsitzende der KCK (Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans) Cemil Bayik bemerkte sogar kürzlich, dass es durchaus sein kann, dass die USA als dritter Partner am Lösungsprozess beteiligt werden.
Interessant ist dabei die Tatsache, dass jene, die von diesem Vorgang beunruhigt sind - und es sind viele; sie reichen von den Vertretern der politischen Macht, die sich von der „strategischen Partnerschaft“ mit Washington sonst nicht gestört fühlen, bis hin zu deren Gegenspielern aus der Gülen-Gemeinde und natürlich Nationalisten jedweder Couleur - eher die KSH (Kurdische Politische Bewegung) beschuldigen, als die US-Administration.

Der Boden wird von der Regierung bereitet
Lassen wir für den Moment die anderen Kräfte beiseite. Es ist keineswegs glaubwürdig, dass die Regierung die USA mit denkwürdigen Bemerkungen, wie 'hoch intelligent', mittelbar und die KSH unmittelbar angreift. Die AKP-Regierung sollte sich, was Kobane betrifft, erst mal an die eigene Nase fassen. Ankara hat von Beginn an die syrischen Kurden ihrem Schicksal überlassen, indem es beispielsweise hieß, dass Kobane bald fiele und nun sogar die anderen Kantone an der Reihe seien. Widerständler haben allerdings bewiesen, dass der IS(IS) – entgegen der Annahme der Regierenden in der Türkei - mitnichten ihr Schicksal ist.
Folglich ist der Boden dafür, dass sich Washington in bezug auf Kobane anschickte aktiv mitzuwirken, in erster Linie von Ankara aus bereitet worden. Wenngleich die Amerikaner zunächst Kobane als einen  „hoffnungslosen Fall“ betrachteten, indem sie die Prognosen von Ankara für voll nahmen, nahmen sie dann Kobane doch unter ihre Obhut, als sich abzeichnete, dass die Widerständler einen Sieg davontragen könnten und sie in diesem die Chance erblickten, dem IS(IS) die erste ernsthafte Niederlage zufügen zu können.

Das strategische Manöver Öcalans
Jene, die so tun, als unterstützten sie den Lösungsprozess und die sich bei jeder Gelegenheit hinter die Regierung stellen, versuchen unermüdlich Öcalan abzusondern, indem sie bei der Beteiligung der USA an der zunehmend einen regionalen, ja gar internationalen Charakter einnehmenden kurdischen Frage - besser gesagt, am Kurdistan-Problem - den Beitrag von Kandil (KCK/PKK) unterstreichen. Dies ist die nicht glaubwürdige Wiederholung des wiederkehrenden „Imrali ist gut – Kandil ist böse“-Spiels. Öcalan trifft sich auf Imrali nicht mit den Amerikanern, keine Frage. Es ist jedoch bekannt, dass er das, was sich in der Region abspielt, äußerst intensiv verfolgt und seine Strategie und Taktik stets erneuert. Vor diesem Hintergrund ist es also vollkommen normal, dass Öcalan, auch ohne mit entsprechenden Gesprächspartnern direkt in Kontakt zu stehen, die wachsende Rolle der USA in der kurdischen Frage einschätzt und die Politik der KSH dementsprechend neu formt.

Wir werden uns sicherlich mit dem Thema weiter beschäftigen.
Eins aber muss hier abschließend bemerkt werden: Egal wer sich wie weit beteiligen möchte, wird die Zukunft der Kurden in erster Linie, sowie die Völker, die mit ihnen zusammenleben, bestimmen. Deshalb sollten diejenigen, die die Eingriffe von Dritten beanstanden, erst einmal zusehen, dass sie es gar nicht darauf ankommen lassen.
*Auf Kurdisch bedeutet Biji „Es lebe“




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