Die Kurdistan-Realität

16.09.2014 Vatan
Übersetzt von: Gülçin Wilhelm /
Orjinal Metin (tr-10.09.2014)

Die Türkei hat jahrelang die Kurdistan-Realität nicht anerkannt – und dafür war der Preis hoch. Zerknirscht tat sie es dann in den 1990er Jahren doch, aber da sie die direkte Auseinandersetzung mit der „Realität der kurdischen politischen Bewegung“, mit anderen Worten der „Realität von Abdullah Öcalan bzw. PKK“ vermied, finden die Probleme kein Ende. Während der von der AKP-Regierung durchgeführten Lösungsprozesse wurde in den 2000er Jahren schließlich auch diese Schwelle überschritten: Öcalan wie auch die PKK sind je nachdem als mittelbare oder unmittelbare Gesprächspartner anerkannt worden. So wurde allmählich ein Punkt erreicht, den man durchaus positiv bewerten kann. Heute sind wir allerdings mit einer anderen Realität konfrontiert. Diese können wir als Kurdistan-Realität bezeichnen. Es scheint, als sei keine Lösung in Sicht, behandelte man die kurdische Frage in der Türkei nicht im Verbund mit Vorgängen in anderen Ländern wie dem Irak, Syrien und dem Iran, in denen ebenfalls Kurden leben.
Die Kurdistan-Realität ist zwar nicht neu, sie wurde jedoch ignoriert, nicht hinreichend beachtet, ja gar verdrängt. Angesichts des unerwarteten Aufstiegs des IS(IS) dürfte es nun keine Entschuldigung mehr geben. Denn der IS(IS) kämpft zwar nach wie vor gegen die Regierungen in Bagdad sowie in Damaskus – seinen Kampf gegen die PKK freilich führt er in letzter Zeit intensiver und unerbittlicher. Die Kurden sind deshalb gegenwärtig die potenziellen Hauptverbündeten der westlichen Großmächte, die unter der Führung der USA den IS(IS) aus der Region vertreiben wollen. Und die Kurden bestehen nicht nur aus KBY (Regionalregierung Kurdistan) und ihren Einheiten (Peschmerga). Die seit längerer Zeit in Syrien und zur Zeit auch im Irak recht wirksam gegen den IS(IS) kämpfende YPG (Kurdische Miliz in Syrien), die aus Kandil (Irak) stammende und in verschiedenen Regionen des Irak-Kurdistans mit Peschmerga gemeinsam kämpfende HPG (Volksverteidigungskräfte), aber insbesondere PKK bzw PYD (Partei der Demokratischen Union), die politischen Kräfte dieser Organisationen, werden  womöglich auf die eine oder andere Weise ein Teil der neu zu konstruierenden Koalition sein.

Das steigende Prestige der PKK
Erwähnenswert meiner Ansicht nach hierzu:
-  PKK spielte in Syrien bzw im Irak hinsichtlich des IS(IS) plötzlich eine große Rolle – ein Vorgang, der letztlich dazu führte, dass die westliche Wahrnehmung des „Terroristen“ abgemildert wurde. Es deutet im Moment alles darauf hin, dass die PKK in absehbarer Zukunft im Hinblick auf die Frage ihrer Legitimität nach Urteil des Westens einen entscheidenden Schritt vorankommt. 
-  PKKs Kampf gegen den IS(IS) steigert ihr Ansehen auch bei den Kurden in anderen Ländern.
-  Der IS(IS) baute zudem ungewollt eine Brücke zwischen der PKK und der KBY.
Durch diese neu entstandene positive Atmosphäre lässt sich auf die Regierung in Erbil hinsichtlich der von Öcalan angestrebten „Nationale Konferenz Kurdistans“ leichter Druck ausüben.
Es wird immer offensichtlicher, dass solche Entwicklungen, die die kurdische politische Bewegung zunehmend stärken, die politische Macht in der Türkei beunruhigen. Die Kurden werden zur Zeit vom Westen mit Waffen beliefert sowie militärisch ausgebildet, damit diese gegen den IS(IS) effizienter kämpfen, aber Ankara ist besorgt angesichts der Gefahr, dass die PKK dadurch auf schwere Waffen Zugriff hätte. Eine größere Befürchtung ist es, dass die PKK auf diese Weise zu einer „regionalen Macht“ werden könnte.

Das einmal Begonnene zu Ende bringen
Ich bin der Meinung, dass die Türkei vor diesem Hintergrund ganz dringend die kurdische Realität anerkennen sollte. Gelänge es Ankara, die kurdische Frage mit den die ganze Region umfassenden Maßstäben zu betrachten und ihren eigenen Lösungsprozess in diesem Hinblick einer Revision zu unterziehen, so könnte ihm die Tatsache, dass durch IS(IS) sämtliche Machtverhältnisse in der Region auf den Kopf gestellt worden sind, sogar nützen. Das kann ihm aber nicht mit eigener Kraft gelingen. Die kurdische politische Bewegung müsste an die Sache ebenfalls mit Win-Win-Einstellung herangehen und mit Ankara koordinierter handeln. Mit anderen Worten: Zur Zeit wird zwar kein Krieg geführt aber solange sich bewaffnete Milizen von PKK dennoch in der Türkei befinden, wäre es nicht gerecht und auch nicht realistisch, in Syrien und im Irak in der Konfrontation mit dem IS(IS) – oder mit einer anderen Bewegung – von der Türkei Hilfe zu erwarten. So ist auch keine direkte Zusammenarbeit von Seiten der westlichen Verbündeten der Türkei, allen voran den USA, mit der PKK zu erwarten – auch wenn diese dies wünschten.

Würde die PKK aber mit der Absicht, das einmal Begonnene zu Ende zu bringen, dafür sorgen, dass sich die bewaffneten Truppen aus der Türkei in den Irak zurückziehen, und zugleich offiziell verkünden, ab jetzt in der Türkei keinen bewaffneten Kampf zu führen, so würde sich rasch einiges ändern. Auf alle Fälle gibt es bereits jetzt einige Zeichen, dass der Lösungsprozess allmählich eine entsprechende Richtung nimmt.




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